Druckversion - Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim - Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung
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23. September 2020, 13:53 Uhr

Projekt Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim

Immer mehr Menschen verbringen die letzte Phase ihres Lebens im Pflegeheim. Am Lebensende entsteht oft ein erhöhter Betreuungsbedarf: Es braucht mehr Zeit für Grundpflege und Nahrungsaufnahme, für Gespräche mit Patienten und Angehörigen, für Sitzwachen und um persönliche Wünsche zu erfüllen. Doch der Stellenschlüssel in stationären Pflegeeinrichtungen kann diesen Bedarf nicht abdecken. 

Würdevolle Betreuung von Menschen am Lebensende braucht Zeit

Deshalb entstand die Idee »Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim«. Schon 2015 konnte der Anna Hospizverein im Landkreis Mühldorf in ausgewählten Pflegeheimen zeigen, dass sich die würdevolle Betreuung von Menschen am Lebensende durch die Bereitstellung eines flexiblen Zeitkontingentes deutlich verbessern lässt. Das Modellprojekt wurde mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet


Eine Idee zieht Kreise

Ausgehend von den guten Erfahrungen im Landkreis Mühldorf, will die Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung das Modell »Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim« (ZiB) bayernweit einführen. Dafür stellt sie jährlich 180.000 € Fördermittel zur Verfügung.

In verschiedenen Regionen Bayerns werden Hospizvereine als Projektträger gefördert. Jeder dieser Projektträger kooperiert mit drei lokalen Pflegeheimen. Hier werden zwei Pflegekräfte zusätzlich zu ihrer Beschäftigung im Heim auf geringfügiger Basis beim Hospizverein angestellt. Diese »ZiB-Kräfte« sind durch eine Weiterbildung in Palliative Care besonders qualifiziert. Der Hospizverein koordiniert als Arbeitgeber den Einsatz der ZiB-Kräfte ausschließlich für die Pflege und Betreuung von Menschen am Lebensende. Die Personalkosten werden aus den Fördermitteln der Stiftung bestritten. Außerdem unterstützt die Stiftung die Vereine in der Öffentlichkeitsarbeit.

 

 

 

Abschluss der Pilotphase 2018 - 2019

In einem Pilotjahr von 2018 – 2019 wurden zunächst weitere Erfahrungen gesammelt. Als lokale Projektträger waren die Hospizvereine Hof, Kaufbeuren-Ostallgäu, Mühldorf, Nürnberg, Rottal-Inn und Straubing beteiligt, die das Projekt in den Pflegeheimen ihrer Region umsetzten. Der Anna Hospizverein e.V. brachte sein fachliches Knowhow ein. Das Projekt stieß auf überwältigende Zustimmung: In der Hospiz- und Palliativlandschaft, in der Politik, in den beteiligten Hospizvereinen und Pflegeheimen, bei Betroffenen und Angehörigen und bei anderen Stiftungen. Auch die Resonanz in den Medien war beeindruckend: Fernsehen, Hörfunk, regionale und überregionale Zeitungen und Fachzeitschriften berichteten.  Der Erfolg des Projekts bekräftigt die Stiftung in ihrer Entschlossenheit, das Projekt in den nächsten Jahren fortzusetzen.

Nach Abschluss der Pilotphase am 31.01.2020 sollte im Frühjahr 2020 ein zweites Projektjahr mit fünf weiteren Hospizvereinen und 15 Pflegeheimen beginnen. Da sich ab 2020 noch zwei andere Münchner Stiftungen fördernd einbringen wollen, können wir weiter in die Fläche gehen.

Das Modell ZiB wurde während der Pilotphase statistisch evaluiert. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und dann veröffentlicht. Sie sollen Grundlage für eine das weitere Projekt begleitende Studie sein.

 

Krisen-ZiB in der Corona-Pandemie

Bis auf eine Region – Schwabach in Mittelfranken, die bereits zum 1. Februar 2020 ins Projekt startete – mussten wir die weiteren im Zeitraum April bis Juli 2020 geplanten Projektstarts wegen der Corona-Pandemie verschieben. Die aktuelle Situation mit den strengen Maßnahmen zum Infektionsschutz lässt eine Umsetzung des Modells „Zeitintensive Betreuung“ in der regulären Form, die auch einen Beitrag der Pflegeheime verlangt, nicht zu.

Gleichzeitig ließ uns der Gedanke an die schwerstkranken und sterbenden Heimbewohner, die weder Besuch von Angehörigen noch von Hospizbegleitern bekommen können, nicht los. Deshalb wurde das ZiB-Konzept kurzfristig auf die Corona-Krise angepasst.

Der Grundgedanke bleibt derselbe: Hospizvereine stellen Pflegefachkräfte auf geringfügiger Basis an und setzen sie in den Heimen für die zeitintensive Betreuung am Lebensende ein. Anders als beim „regulären“ ZiB muss das Heim aber kein Konzept über seinen derzeitigen Stand in der Palliativversorgung vorlegen und sich auch nicht mit zusätzlichen 10 Stunden Freistellung der „ZIB-Kräfte“ beteiligen. Die Pflegeheime bekommen über das „Krisen-ZIB“ unbürokratisch und unkompliziert mehr Pflegezeit zur Verfügung gestellt.

 

Schnelle Umsetzung des Krisen-ZiB

Das Krisen-ZiB ist schon jetzt ein Erfolg: Unter tatkräftiger Mitarbeit der Hospizvereine oder Palliativteams in Freising, Landsberg am Lech, Landshut, Mühldorf am Inn, Nürnberg und Rottal-Inn sind bereits 24 Pflegekräfte im Einsatz. Weitere Hospizvereine haben Interesse signalisiert, sich als lokale Projektträger zur Verfügung zu stellen und den Einsatz der Kräfte in den Pflegeheimen ihrer Region zu koordinieren.

Das reguläre ZiB-Projekt soll im Jahr 2021 fortgesetzt werden.

Podcast: Die bayern2-Radioreportage »Zeit für Sterbende im Pflegeheim«

von Sabine März-Lerch.

Ausstrahlung: 19. Februar 2019
Dauer: 25 Minuten
» bayern2

Wie hilft die Zeitintensive Betreuung konkret?

GRUNDPFLEGE 
Durch die Pflegeversicherung wird nur eine begrenzte Menge Pflegezeit bezahlt. Wenn eine würdevolle Pflege länger dauert, greift die Zeitintensive Betreuung (ZiB).

NAHRUNGSAUFNAHME 
Wenn Menschen täglich schwächer werden, erfordert die Nahrungsaufnahme viel Zeit. Dies kann die ZiB-Kraft leisten.

PATIENTENVERFÜGUNG
Wir beraten zur gesundheitlichen Versorgungsplanung.

KOORDINATION VON HILFE UND UNTERSTÜTZUNG 
Die ZiB-Kraft organisiert und koordiniert die an der Versorgung Beteiligten.

GESPRÄCHE MIT PATIENTEN 
Menschen in der letzten Lebensphase brauchen einen kompetenten Gesprächspartner, um belastende Fragen zu klären und die Situation besser ertragen zu können.

ANGEHÖRIGEN- UND FAMILIENGESPRÄCHE 
Menschen im Umfeld von Schwerkranken und Sterbenden haben einen hohen Informationsbedarf. Gemeinsame Gespräche mit Patienten und Angehörigen können helfen, die schwere Zeit zu bewältigen.

PERSÖNLICHE WÜNSCHE 
Wir unterstützen dabei Wünsche zu erfüllen, die viel Zeit kosten.

SITZWACHEN 
Eine Fachkraft bleibt bei Bedarf für mehrere Stunden oder eine ganze Nacht am Bett, um Beschwerden individuell zu lindern und Sicherheit zu geben.

  

Wie wird das Projekt finanziert?

ZiB ist auf Spenden angewiesen. Durch Förderung der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung können die Personalkosten für die ZiB-Kräfte bei den teilnehmenden Hospizvereinen abgedeckt werden. Unterstützt werden außerdem die Schulung und das projektbegleitende Coaching der ZiB-Kräfte, Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit, die Erfassung und Auswertung der Projektdaten und die Zusammenfassung der Ergebnisse.

Der Anna Hospizverein Mühldorf e. V. bringt sein fachliches Knowhow in das Projekt ein und steht beratend zur Verfügung. Die teilnehmenden Hospizvereine übernehmen als regionale Kooperations-Partner die Projektkoordination vor Ort, die Organisation der monatlichen Coachings und den telefonischen Hintergrund für die ZiB-Kräfte. Dabei werden sie von zwei übergeordneten Regionalkoordiatoren aus dem zentralen Projektteam unterstützt.

Unser Spendenkonto

Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung 
IBAN DE51 7012 0700 1001 2968 86 
Oberbank AG 
Kennwort: »ZiB«

 

URL:
https://www.pkv-stiftung.de/projekte/zeitintensive-betreuung-im-pflegeheim.html